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Pressetext vom 11. Jänner 2003
Zur Grazer Uraufführung von Butterfly Blues
Dem neuen Stück von Henning Mankell, am 10.01.2003 im Grazer Schauspielhaus.

Mit der vielsprachigen Inszenierung seines Stücks Butterfly Blues liefert der schwedische Starautor den eindrucksvollen Nachweis, dass die Grenzen der Sprache - und der Kulturen - mit Mitteln des Theaters mühelos zu überwinden sind.

Butterfly Blues erzählt von zwei Frauen (verkörpert von Lucrécia Paco und Graça Silva, Darstellerinnen des Theatro Avenida aus Mosambik) die ihre Heimat verlassen, in der sie stets als Unterdrückte zu leben hatten, in der sie keine Zukunft sahen. In Europa stoßen die beiden illegalen Immigrantinnen auf die Widerstände einer Gesellschaft, die sie nicht erwartet hat, nicht aufnehmen möchte und ihre Recht- und Wehrlosigkeit missbraucht (verkörpert von Johannes Lang und Stefan Maaß, zwei Ensemblemitgliedern des Grazer Schauspielhauses).

In vager, mehrfach durchbrochener Chronologie werden Szenen aneinandergereiht, die das Schicksal der beiden jungen Frauen stellvertretend für viele Immigrantinnen-Schicksale als Kampf um Freiheit und Würde erkennbar machen. Stellenweise märchen- oder parabelhaft, nähert sich Mankell den vielen möglichen Wegen einer unbarmherzigen Flüchtlings-Realität. Dabei wechselt er als Regisseur zwischen komödiantischen und tief tragischen Szenen, führt er europäische Dramatik mit einer ungewohnt romantischen afrikanischen Theatralik zusammen.

Durch die Vielsprachigkeit des Textes macht die poetische Kraft von Mankells Sprache immer wieder Platz für die vitale Spielfreude seiner DarstellerInnen, welche unterstützt von zwei MusikantInnen (Matthias Loibner u. Stefan Maaß) die Bühne belebt. Während Mankells Skript der Wirklichkeit, die es bildreich beschreibt, ein bitterböses Zeugnis ausstellt, bietet das kunstvolle Zusammenspiel verschiedener Sprachen und Kulturen auf der Bühne ein Bild der Harmonie. Geschickt hat der Regisseur Mankell dem Autor Mankell zugearbeitet, indem er zentrale Wörter und Textpassagen in der Rede seiner afrikanischen Protagonistinnen auf englisch - oder auch deutsch - vorbringen lässt, während er ihrem lebendigem Spiel und ihren Zungen freien Lauf lässt, wo es die oft emotionsstarke Ver-Körperung des Erzählten verlangt. So mischen sich dialektale Einsprengsel aus Mosambik mit portugiesischen Versatzstücken, englischen Satzfetzen, französischen Kurzdialogen und gründlich einstudierten deutschen Monologen. Die sechste Sprache des Abends ist die Musik von Venancio Dove und Matthias Loibner, ein Zusammenklang afrikanischer und europäischer Traditionen, nicht selten orientiert am Blues, einer der populärsten musikalischen Verschmelzungen der Kulturen.

Zum Inhalt:

Die junge Frau Ana verlässt gemeinsam mit ihrer Freundin Sara Heimat und Mutter, nachdem ihr Vater brutal getötet wurde, weil er "an einen falschen Gott glaubte". Schlepper bringen die beiden Frauen übers Meer, werfen sie aber, als kurz vor der Küste die Polizei naht, über Bord. Vom Ertrinkungstod gerettet, finden sich Ana und Sara gefangen in einem Flüchtlingslager. Eine Szene bei der Fremdenpolizei gerät zum poetisch verschlüsselten Rückblick auf Anas Odyssee. Ana gelingt die Flucht aus dem Lager. Frei aber rechtlos versucht sie sich durchzuschlagen, trifft einen freundlichen Käseverkäufer, macht Erfahrungen mit Fremdenfeindlichkeit, versucht sich als Stepptänzerin, wehrt sich gegen sexuelle Übergriffe und trifft schließlich Sara wieder, die sie jedoch nicht davor bewahren kann, auf der Suche nach einem "Reichen alten Mann" in ein Bordell verführt und zur Prostitution gezwungen zu werden. Kurz vor Schluss tritt noch jener Mann auf, der Ana erklärt, weshalb sie in seinem Land nicht erwünscht ist: "Dein Leid ist deines! Nicht meines! Das ist der Grund, warum ich dich nicht hier haben will."


Autor: Henning Mankell
Regie: Henning Mankell
Künstler: Manuela Soeiro und Gabi Mai (Ausstattung), Mariana Venancio Dove und Matthias Loibner (Musik), Lucrecia Paco, Graca Silva, Johannes Lang, Stefan Maaß (SchauspielerInnen)
Ort: Schauspielhaus, Graz

Weitere Termine: 14.01., 18.01., 22.01., 28.01., 31.01., 06.02., 08.02., 19.02.2003

Ein Auftragswerk von Graz 2003
Graz 2003 in Koproduktion mit dem Schauspielhaus, Graz und dem Teatro Avenida Mosambik



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