| Der Turm von Babylon Wirklichkeit und Metapher
Eine Vortragsreihe der URANIA zur Großausstellung im Schloss Eggenberg „Der Turmbau zu Babel - Ursprung und Vielfalt von Sprache und Schrift“
Die Ausstellung im Schloss Eggenberg versucht die viele Jahrtausende umfassende kulturgeschichtliche Tradition und Rezeption der Geschichte des Turmbaus zu Babel mit all ihren religions- und sprachwissenschaftlichen Implikationen aufzugreifen. Diese Erzählung ist zur bleibenden Metapher für unverständliche Sprachen und unlesbare Schriften geworden. Doch welche Wirklichkeit liegt hinter den Bildern? Diese Vortragsreihe soll in die faszinierende Welt der sakralen Baukunst Mesopotamiens einführen und die Motive von Turmbau und Sprachenvielfalt vor ihrem kulturhistorischen Hintergrund beleuchten.
Die Tempeltürme (Ziqqurrats) in Mesopotamien waren Wohnsitze der Götter. Sie markierten jene Orte, wo durch die Anwesenheit des Göttlichen eine Verbindung zwischen Himmel und Erde bestand. Im Laufe der Jahrhunderte Entwickelten sie sich von einfachen Lehmziegelplattformen zu gigantischen mehrstöckigen Bauwerken. Ihren Höhepunkt erlebte die mesopotamische Tempelbaukunst zweifelsohne im Bau der Ziqqurrat von Babylon unter Nebukadnezar II. (reg. 605-562), an dem ziemlich sicher auch israelitische Zwangsarbeiter mitwirkten. Dort erlebten sie das Sprachengewirr der Riesenbaustelle, an der Arbeiter aus dem gesamten Vorderen Orient beschäftigt waren. Diese Erfahrungen - verknüpft mit der mesopotamischen Sehnsucht nach Einheit in der Vielfalt, die in Mythen und Erzählungen des Zweistromlandes auch in Bezug auf die Sprache ihren Niederschlag gefunden hat - führten zur Ausformulierung der Erzählung vom Turmbau zu Babel im Alten Testament als Beispiel für menschliche Hybris und göttliche Reaktion. Die Apostelgeschichte stellt dem das Pfingstwunder gegenüber. Im Lauf der europäischen Geschichte wurde die Turmbaumetapher literarisch und künstlerisch immer wieder aufgenommen und zeitgemäß umgedeutet. Am bekanntesten ist wohl das Gemälde von Pieter Brueghel dem Älteren (ca.1525-1569) im Wiener Kunsthistorischen Museum. Im Verlauf des 20. Jahrhunderts erlebte das Turmbaumotiv seine letzte große Umdeutung in Richtung auf Großstadtvisionen und Globalisierung. Derzeit sind die Tempeltürme Mesopotamiens - wie alle Kulturreste des Irak - durch den sich abzeichnenden Bombenkrieg (neben der Ziqqurrat von Ur befindet sich ein militärisches Flugfeld) erneut von der Zerstörung bedroht.
Turnus: wöchentlich, jeweils Donnerstag
Zeit: 19.30 Uhr
Ort: Hörsaal VI, Alte Technik, Rechbauerstr. 12/P
Kosten: jeweils EUR 7,- , Mitglieder frei
Wiss. Leitung: UD Dr. Hannes D. Galter
27. Februar
Die Ziqqurrat - Geschichte der mesopotamischen Tempeltürme
UProf. Dr. Jan-Waalke Meyer, Frankfurt/M.
06. März
Das neue Bild von der Ziqqurrat - Die Ergebnisse der österreichischen Ausgrabungen in Borsippa/Irak
Dr. Wilfrid Allinger-Csollich, Innsbruck
20. März
Die Eine und die Vielen - Sprache als literarisches Motiv in Mesopotamien
UD Dr. Hannes D. Galter, Graz
27. März
Die Turmbauerzählung im Alten Testament - Spracheneinheit oder Vielfalt?
UProf. Dr. Johannes Marböck, Lic.rer.bibl., Graz
03. April
Das Motiv vom Turmbau in der europäischen Kunst
Dr. Antje Senarclens de Grancy, Graz
10. April
Das Band zwischen Himmel und Erde - Die Ziqqurrat von Babylon in mesopotamischen Quellen
UProf. Dr. Stefan M. Maul, Heidelberg
 |
 | 27.02.2003 - 03.04.2003 |
 | Technische Universität Graz, Hörsaal VI |
|


|
|